Vollnarkose

Warum ist eine Vollnarkose beim Zahnarzt sinnvoll?

Über 5 Millionen Menschen in Deutschland bekommen eine Gänsehaut, Schweißausbrüche und weiche Knie, wenn sie nur daran denken: An den Zahnarzt, den Behandlungsstuhl oder das Geräusch vom Bohrer. Den Besuch beim „Zahnklempner“ assoziieren viele Menschen mit „Angst“. Besonders schlechte Erfahrungen aus der Kindheit beeinflussen uns als Erwachsene – damals waren die zahnmedizinischen Methoden allerdings noch nicht so sanft wie heute. Irgendwie ist das Kind damals in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen und hilfreiche Sprüche wie “Stell dich nicht so an!” haben bekanntlich noch nie weitergeholfen. 
Eine Vollnarkose kann wirkliche Abhilfe schaffen und ist in manchen Fällen ganz besonders sinnvoll.

 

In welchen Fällen ist eine Vollnarkose für Zahnbehandlung sinnvoll?

Bei schweren Behandlungen

Zahnbehandlungen können ganz verschiedener Art sein. Es gibt leichte und kurze Maßnahmen, für die Patienten entweder keine oder nur eine lokale Betäubung (Lokalanästhesie) benötigen oder wünschen. Bei schweren Behandlungen, wie langen und/oder aufwendigen Operationen an Zähnen, Wurzeln oder Kiefer ist eine Allgemeinanästhesie sinnvoll.

Ein häufiges Beispiel ist die Operation zur Setzung von Zahnimplantaten in den Ober- oder Unterkiefer. Auch das Ziehen von gleich mehreren Zähnen gehört zu einer üblichen operativen Maßnahme, die unter Vollnarkose durchgeführt werden kann. Eine örtliche Betäubung stößt hier oft an ihre Grenzen. Sie wirkt nicht effektiv genug oder kommt aufgrund einer Vorerkrankung oder Allergie gegen die eingesetzten lokalen Betäubungsmittel erst gar nicht in Betracht. Auch in solchen Fällen kann eine Allgemeinnarkose in der Zahnarztpraxis erforderlich sein.

Bei Zahnarzt-Phobie

Unabhängig von Art oder Umfang der Zahnbehandlung gibt es auch psychische Gründe, die für eine Allgemeinnarkose beim Zahnarzt sprechen.

Das bewusste Erleben einer Zahnbehandlung kann schon Tage vor dem Zahnarzttermin für psychischen Stress oder Belastung sorgen, gerade weil man sich auf dem Behandlungsstuhl hilflos und ausgeliefert vorkommt. Diese immer wiederkehrenden schlechten und unangenehmen Gedanken machen den zukünftigen Besuch bei Dr. med. dent. nicht einfacher, sondern steigern das Unwohlsein und den Fluchtreflex.

Für Patienten, die unter einer solchen psychischen Angststörung oder Phobie leiden (auch Dentalphobie genannt), kann eine Vollnarkose der einzige Weg sein, um ein gesundes Lächeln zu erhalten. Hier ist die generelle Anästhesie notwendig, um therapeutische Maßnahmen durchführen zu können oder es dem ängstlichen Menschen überhaupt zu ermöglichen zum Zahnarzt zu gehen.

Weitere Gründe

Auch bei Menschen mit Bewegungsstörungen, durch die sie nicht still halten können, ergibt eine generelle Sedierung Sinn. Ebenfalls kann die Vollnarkose bei Menschen mit einer geistigen Behinderung oder ausgeprägten Würgereflexen einen Ausweg bieten. Eine weitere Gruppe, bei denen die Allgemeinanästhesie Einsatz findet, sind Kinder. Kinder sind oft “unkooperativ” und es ist schwer bis gar nicht möglich, Behandlungen unter einer örtlichen Betäubung durchzuführen.

Narkose ohne medizinische Notwendigkeit

Auch Patienten, die die Zahnbehandlung einfach nicht bewusst miterleben, jeglichen Schmerz umgehen und sich in keiner Weise der psychischen Belastung von einem zahnmedizinischen Eingriff aussetzen möchten, können eine Heilmethode unter Vollnarkose in Anspruch nehmen, sofern dem gesundheitlich nichts entgegensteht. Die Kosten tragen Sie aber als Patient selbst.

Was passiert mit meinem Körper bei einer Vollnarkose?

Anders als bei der Lokalanästhesie wird der zu Behandelnde bei einer Vollnarkose vor der Behandlung durch medizinische Narkosemittel vorübergehend in einen Zustand des Tiefschlafs versetzt – das Bewusstsein, das Schmerzempfinden und bestimmte Körperfunktionen im gesamten Körper werden vorübergehend “lahmgelegt”.

Eine tiefe Narkose hat folgende Vorteile:

  • die Aufhebung des Bewusstseins in Form von Schlaf
  • die Ausschaltung der Schmerzempfindung, die Blockade des Gedächtnisses
  • die Dämpfung vegetativer Nervenfunktionen
  • die Muskelentspannung

Durch die Gedächtnisblockade gibt es keine Erinnerung an den Verlauf und die Geschehnisse des chirurgischen Eingriffes, was ein gewünschter Effekt ist. Die Dämpfung der vegetativen Funktionen betrifft z.B. den Blutdruck, den Puls, die Darmtätigkeit und die Veränderung der Körpertemperatur. In dem künstlichen Schlafzustand setzen das Bewusstsein, die Muskelkraft, der Atemantrieb und viele Schutzreflexe des Körpers aus.

Der Ablauf einer Vollnarkose

Die Vollnarkose beim Arzt teilt sich in drei Phasen: Die Einschlafphase, die Erhaltungsphase und die Aufwachphase.

Das Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt (Anästhesist)

Bevor das alles passiert gibt es ein Aufklärungsgespräch mit einer Narkosearzt, der auch während der laufenden Anästhesie an der Seite des Patienten steht und den Verlauf der Behandlung, sowie die Werte des Schlafenden immer im Blick hat. Bei dem Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesist geht es um ein generelles Narkoserisiko und welche Risiken die geplante Behandlung mit sich bringen kann.

Die Einschlafphase

Vor Beginn der Operation bekommt man ein Beruhigungsmittel. Nachdem die beruhigende Wirkung eingesetzt hat, wird die eigentliche Narkose eingeleitet. Alle Anwesenden kümmern sich um den Patienten, während dieser ganz in Ruhe und entspannt einschlafen kann. Im Hintergrund wird die Behandlung schon vorbereitet und alle Instrumente werden überprüft und das Behandler-Team, bestehend aus zahnmedizinischen Fachangestellten, Pflegern, Assistenten und Ärzten bespricht noch einmal kurz den Ablauf und die Besonderheiten.

Die Erhaltungsphase

Je nach Art und Umfang des Eingriffs wird nach dem Einschlafen eine Sauerstoffzufuhr angelegt. Davon merkt der Schlafende allerdings nichts – und er wird sich auch nicht erinnern. Das einzige was man eventuell nach der Beatmung merkt, ist ein kratziger oder trockener Hals. Während der Behandlung achtet der Narkosearzt darauf, dass die Person nicht aufwacht und im Tiefschlaf verbleibt, indem er stetig Narkosemittel gibt.

Die Aufwachphase

Nachdem die Behandlung abgeschlossen ist, wird die Zufuhr der Narkosemittel immer weiter reduziert und die Aufwachphase ist damit eingeleitet. Wie nach einem richtig tiefen Schlaf braucht man auch nach einer Vollnarkose Zeit um wieder zu sich und in die Welt zu finden – dabei wird man aber von dem Fachpersonal begleitet. Nachdem die Patienten wieder zu sich gekommen sind bleiben sie oft noch für eine gewisse Zeit zur Beobachtung in der Praxis oder Klinik. Damit stellt man sicher, dass es dem Patienten gut geht, er die Narkose gut vertragen hat, und es zu keinen post-operativen Beeinträchtigungen aufgrund der Narkose kommt. Mit Begleitung darf man jetzt nach Hause gehen.

Vollnarkose: Risiken und Nebenwirkungen

Eine Allgemeinnarkose beim Zahnarzt ist grundsätzlich ein sehr sicheres Verfahren. Dennoch bestehen gewisse Risiken und Nebenwirkungen, wenn der Körper mittels Narkosemittel in einen tiefschlafähnlichen Zustand versetzt wird.

Risiken: Vorerkrankungen, Allergien oder Schwangerschaft?

Der Zahnarzt und der Narkosearzt untersuchen vor der Behandlungsform den Patienten auf seinen Gesundheitszustand und seine Krankheitsgeschichte. Liegen beispielsweise etwaige schwerwiegende Vorerkrankungen, frühere Operationen, chronische Erkrankungen (wie bezüglich der Lunge, Herz, Leber, Schilddrüse, Gehirn oder dem Blut), aktuelle Begleiterkrankungen, Schwangerschaft, Unverträglichkeiten und Allergien gegen Anästhetika oder sonstige entscheidende Sachverhalte vor, kann eine Vollnarkose aufgrund von etwaigen Risiken nicht in Betracht kommen.

Risiko: Alter & Lebensgewohnheiten, wie Alkohol, Rauchen, Drogen sowie einige Medikamente

Inwieweit eine generelle Anästhesie beim Zahnarzt zu riskant ist, wird von Ärzten individuell eingeschätzt, ebenso die Eignung der Narkoseart und der Narkose- und Schmerzmittel. Bestehen für eine allgemeine Anästhesie bestimmte Risiken, die ein Ausschlusskriterium darstellen, kann dennoch eine Lokalanästhesie möglich sein, um das Problem des Schmerzempfindens zu lösen.

Für wen eignet sich eine Tiefschlaf-Behandlung?

Rundum gesunden Patienten steht einer Vollnarkose in der Regel nichts im Weg. Grundsätzlich kann jede gesunde Person einer medizinischen Maßnahme unter dem Einfluss einer Narkose unterzogen werden, von Kinder ab 2 Jahren bis zu Menschen im höheren Alter.

Die entscheidende Voraussetzung ist immer der Gesundheitszustand

Eine Tiefschlaf-Narkose stellt einen großen Aufwand und eine hohe Belastung für den Körper dar. Es sollte berücksichtigt werden, dass damit immer Risiken, Nebenwirkungen oder gesundheitliche Folgen verbunden sein können. Eine Hürde können auch die finanziellen Aspekte darstellen, denn mit dem Eingriff sind entsprechende Kosten verbunden, die nicht in jedem Fall von der Krankenkasse getragen werden, sondern für die der Patient selbst aufkommen muss.

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